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Der Fallensteller

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 Silvester Tamás (41) aus Dornburg will im Saale-Holzland-Kreis die Existenz von Wildkatzen nachweisen

Dornburg: Er ist der einzige Mann, der derzeit im Saale-Holzland-Kreis mit behördlicher Genehmigung Fallen im Wald aufstellen darf. Und das aus einem ganz besonderen Grund: Silvester Tamás (41) aus Dornburg, Mitglied im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), ist nämlich im Rahmen eines groß angelegten wissenschaftlichen Nachweisprojektes Wildkatzen auf der Spur.

Um die geschützten Tiere anzulocken – sie gelten als äußerst scheu und gehen nur in der Dämmerung bzw. Nacht auf Beute-Jagd – hat der Wildkatzen-Experte schon an 20 ausgesuchten Standorten im Kreisgebiet sogenannte DNA-Fallen aufgestellt. „Dabei handelt es sich um in den Boden eingeschlagene Kanthölzer, die mit einer Baldrian-Tinktur getränkt werden“, erklärt der Fallensteller im Dienst der Wissenschaft. „Wenn sich die Katzen an den angerauten Hölzern reiben, hinterlassen sie Haarspuren von ihrem Fell. Mit diesen kann dann im Genlabor zweifelsfrei die DNA der Tiere analysiert und eine Verwechslung mit Hauskatzen ausgeschlossen werden.“

 

Die Standorte der sanften Lockfallen werden GPS-kartiert und regelmäßig (alle ein bis zwei Wochen) kontrolliert. Zum Beispiel im Erdengraben bei Dornburg, im Dreieck zwischen Reinstädter Grund, Waldeck und Rödigen/Porstendorf sowie im Tautendorfer Forst. Insgesamt wird für das erste Wildkatzen-Projekt im Saale-Holzland-Kreis eine Fläche von 17.000 Hektar beobachtet (überwiegend Laubwaldzonen mit Todholzbeständen). Festgestellt werden sollen dabei Vorkommen, Populationsgröße, Ausbreitungswege und Entwicklung der vom Überleben bedrohten Wildkatzen. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ihre Existenz im Saale-Holzland-Kreis wissenschaftlich nachweisen können“, sagt Silvester Tamás. „Zumal uns bereits zuverlässige aktuelle Sichtbeobachtungen durch einen Revierförster bekannt sind.

Die Untersuchung – sie erfolgt in Kooperation mit dem BUND-Wildkatzen-Rettungsnetz – soll zunächst bis Ende 2014 durchgeführt werden. Die Ergebnisse sollen nach Angaben von Projektleiter Tamás in das Thüringer Artenerfassungsprogramm eingearbeitet werden. Und vor allem dazu beitragen, die durch zunehmende Verkehrswege, neue Siedlungsgebiete und intensive landwirtschaftliche Nutzung immer kleiner werdenden Lebensräume für Wildkatzen nach Möglichkeit miteinander zu vernetzen und zu erweitern.

Kontakt

Hinweise zu aktuellen Wildkatzen-Beobachtungen im Saale-Holzland-Kreis nimmt Silvester Tamás unter Telefon 036427-21726 oder 0177-5573434 entgegen. Der Experte steht auch für Vorträge und Exkursionen zur Verfügung.

Hintergrund

Der letzte Nachweis für die Existenz von Wildkatzen auf dem heutigen Gebiet des Saale-Holzland-Kreises liegt lange zurück: Im Oktober 1986 erlegte ein Jäger – angeblich aus Versehen – ein männliches Exemplar bei Waldeck (Ort der erfüllenden Gemeinde Bad Klosterlausnitz). Das Tier wurde damals von Michael Beleites präpariert und befindet sich seitdem mit der Nummer 157/86 in der wissenschaftlichen Sammlung des Museums für Naturkunde Gera. Präparator Beleites ist als Mitbegründer der Umweltbewegung in der DDR bekannt geworden. Zehn Jahre lang (bis Dezember 2010) war der heute 49-jährige auch Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen.

11.04.2013/Friedhelm Berger/Top Press

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