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Brehms Tierleben

 

Alfred Edmund Brehm hatte sich von Anfang an daran gewöhnt, während seiner Reisen Tagebuch zu führen, seine Gedanken, Erlebnisse, Beobachtungen und Erfahrungen dem Papier anzuvertrauen. Ob bei dem 18jährigen, der Ende Mai 1847 seinen Heimatort Renthendorf in Richtung Afrika verließ, schon die Absicht oder gar der Vorsatz bestand, einmal als Schriftsteller hervorzutreten, ist ungewiß. Aber der Inhalt der vielen Notizbücher wurde zur fast unerschöpflichen Fundgrube für das "Thierleben" und andere Werke Alfred Brehms, natürlich ergänzt durch Literaturstudium, Recherchen, Gespräche mit Gleichgesinnten und ständig neue Beobachtungen und Vergleiche.

Seine Absicht, ein umfassendes Werk der Tierkunde schreiben zu wollen, hat Alfred Brehm bereits in seiner Korrespondenz mit den Eltern und Freunden während seiner Spanienreise 1856/57 zum Ausdruck gebracht. Die Freunde aus seiner Leipziger Zeit bestärkten ihn in seinem Vorhaben und er begann mit entsprechenden Vorbereitungen.

Nicht zuletzt haben seine bereits in Renthendorf erworbenen und später ausgebauten Fähigkeiten zum erfolgreichen Jagen und geschickten Präparieren sowie die während der Afrikareise ausgeprägten organisatorischen Fähigkeiten dazu beigetragen, auch später Geldgeber der verschiedensten Couleur zu bewegen, Alfred Brehm zu ihren Forschungsreisen einzuladen und ihm damit neue Möglichkeiten zum Wissenserwerb zu schaffen. Alfred Brehms Schirmherren ermöglichten ihm damit faktisch Studien vor Ort.

Vor seiner Leipziger Zeit 1858-1863 war Alfred Brehm schriftstellerisch überwiegend als ornithologischer Fachautor aufgetreten, was sicherlich sowohl aus den langjährigen diesbezüglichen Aktivitäten seines Vaters als auch aus seinen vielen ornithologischen Forschungsergebnissen der ersten Afrikareise zu erklären ist. Nun zwangen ihn aber seine Arbeit in der Schule sowie die Forderungen der Publizisten E.A. Roßmäßler ("Aus der Heimath") und E. Keil ("Die Gartenlaube"), weniger speziell, sondern mehr allgemeinverständlich und volksbildend ausgerichtet sein Wissen dem Leser mitzuteilen.

Seit 1858 schrieb Alfred Brehm für Fachorgane immer weniger, für populäre Zeitschriften immer mehr und schulte dabei seine Fähigkeit, "volkstümlich" zu schreiben.

Zweifellos brachte Alfred Brehm schon von zu Hause literarisches Talent mit, vor allem auch deshalb, weil seine Mutter Bertha Brehm geb. Reiz (1808-1877) zielstrebig darauf bedacht war, ihren Kinder die Belletristik nahe zu bringen und ihr Ausdrucksvermögen auszubilden.

Während seiner Tätigkeit als Zoodirektor in Hamburg konnte Brehm völlig ohne persönliche Kosten und Risiken fast täglich die Tiere beobachten und studieren, darunter auch etliche Arten, die er bisher noch nie in Freiheit erlebt hatte. Damit waren Voraussetzungen dafür geschaffen, dass er auch diese Tiere später aus eigener Anschauung beschreiben konnte.

Weitere Tiere lernte er aus der Korrespondenz mit anderen Tiergärten Europas und auch bei gelegentlichen Dienstreisen zu ihnen kennen. Diese Aufgaben waren sogar Bestandteil von Alfred Brehms Arbeitskontrakt, ebenso die Forderung, durch möglichst umfangreiche publizistische Aktivitäten hervorzutreten, was auch seinen persönlichen Ambitionen entsprach. Dem "Thierleben" selbst war auch eine Formulierung im Vertrag gewidmet. Da das Werk seit dem 25. März 1863 angekündigt war, mußte es auch während der Hamburger Zeit weitergeführt werden. Es ist daher auch kein Zufall, daß der "Tiervater" dann die fertiggestellte erste Auflage des "Thierlebens" der Zoologischen Gesellschaft in Hamburg widmete.

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